Wer bin ich?
Donnerstag, März 20, 2008
Fast jeder zehnte Junge in Deutschland (9,7 Prozent) will später am
liebsten Kfz-Mechaniker beziehungsweise Mechatroniker werden. Mädchen
(9,4 Prozent) möchten überwiegend Kauffrau oder Bankkauffrau werden.
Dies ergab eine Umfrage der Zeitschrift Eltern Family
eltern.de/forfamily. Der Trend ist klar: Mädchen begeistern sich
insgesamt eher für soziale Berufe, während Jungen handwerkliche,
technische und sportliche Jobs bevorzugen. Diskutieren über Berufswünsche kann man unter anderem in einem Ausbildungs Forum.
Angesichts dieser Zahlen dürfte es die deutsche Druckbranche eigentlich
nicht schwer haben, an die geeigneten Fachkräfte zu gelangen. Doch die
Realität sieht anders aus: Bei Druckereibetrieben kommen auf eine freie
Ausbildungsstelle nur 0,7 Bewerber, berichtet das Fachmedium Zukunft
Medien, das vom Verband Druck + Medien NRW vdmnrw.org herausgegeben
wird. Um auf diesen Fachkräftemangel hinzuweisen, hat der Verband jetzt
eine Kampagne mit dem Titel „Drucker werden“ gestartet. „Viele Betriebe
haben in letzter Zeit echte Probleme, ihre Ausbildungsplätze für
Drucker und Druckerinnen zu besetzen“, erklärt Rainer Braml, Leiter
Bildungspolitik beim Verband Druck + Medien NRW, der die Kampagne
verantwortet.
Betriebe der Druckbranche hätten nicht immer das Image, um gute
Bewerber für eine Ausbildung zum Drucker zu interessieren. Außerdem
seien die Unternehmen der Druckindustrie mehrheitlich kleine und
mittlere Unternehmen. Zahlreiche Jugendliche folgen aber der Devise
„Big is beautiful“ und erliegen dem Charme der Großen. Ob Konzerne
immer die besseren Arbeitgeber sind oder die besseren Aufstiegschancen
bieten, bleibt dahingestellt. Der Mittelstand steht nun einmal im
Schatten der Großen – und die Druckbranche ist stark mittelständisch
geprägt -, obwohl die Fakten eine andere Sprache sprechen. Insbesondere
in Deutschland hat der Mittelstand eine enorme Bedeutung. Er umfasst
rund 99,7 Prozent aller umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen, in denen
knapp 68,3 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten
41,2 Prozent aller Umsätze erwirtschaften und 68,5 Prozent aller
Auszubildenden ausgebildet werden (Quelle: Institut für
Mittelstandsforschung der Universität Mannheim).
Ziel der neuen Werbe- und Imagekampagne ist die Facharbeiter-Nachwuchssicherung. Insbesondere bei Jugendlichen mit gutem Realschulabschluss soll die Aufmerksamkeit verstärkt auf den Ausbildungsberuf des Druckers gelegt werden. Auch die jeweiligen Ausbildungsbetriebe der Branche sollen in der jeweiligen Region in den Fokus gerückt werden. Doch nur mit Broschüren und Imagekampagnen ist es selbstverständlich nicht getan, das weiß auch der Verband. Deshalb, so Braml, müsse in Abstimmung mit den Betrieben der jeweiligen Region ein Angebot zum Schnuppern, etwas für Praktika, aber auch für lokale Ausbildungsstellen vorgehalten werden, denn: „Ohne ein Angebot an Ausbildungsstellen vor Ort braucht keine aufwendige Werbung für den Ausbildungsberuf gemacht werden. Jugendliche sind frustriert, wenn sie zur Entscheidung für einen Berufsbereich gelockt werden und dann keine Möglichkeit der Realisierung in ihrem Umkreis gegeben ist. Insofern kann die Kampagne nur durch das Zusammenspiel von Verband und Unternehmen erfolgreich sind.“
Ein solches Engagement findet Zuspruch. „Unsere Erfahrungen zeigen, dass sowohl Schule als auch das Elternhaus dankbar sind, wenn attraktive Anreize für die Ausbildung an die Schüler herangetragen werden“, weiß Simone Marhenke, Leiterin der Akademie Druck + Medien NRW. Dass die Schulen momentan nicht mehr genügend potenzielle Bewerber für bestimmte Berufssparten hervorbringen, ist ein Problem, das nur in einer gemeinsamen Anstrengung der Schulen, der Druckindustrie und des Verbandes gelöst werden kann. „Wir stellen heute fest, dass es beim Übergang von der Schule in die Unternehmen mehr und mehr an Synchronität fehlt und wir gerade in den handwerklichen und technischen Berufen mehr und mehr nachlegen müssen“, bestätigt Werner Bader, Leiter Berufliche Bildung bei Heidelberger Druckmaschinen. Insbesondere in den Hauptschulen sei die Anschlussfähigkeit oft nicht mehr gegeben. Und die guten Realschüler machten meist Abitur und entscheiden sich gegen eine betriebliche Ausbildung. Unter solchen Voraussetzungen werde es selbst für einen Weltmarktführer wie Heidelberger Druckmaschinen schwer, an das geeignete Personal zu gelangen.
Doch die Druckbranche steht insgesamt auf stabilen Füßen und kümmert sich um Aus- und Weiterbildung der beschäftigten Fachkräfte. Die Ausbildungsquote ist hoch, sie liegt zwischen acht und zehn Prozent, gemessen an den rund 180.000 statistisch erfassten Beschäftigten der Branche in Deutschland. „Trotzdem sind wir am Beginn eines Fachkräftemangels, gerade bei den Berufen Drucker sowie Buchbinder“, sagt Oliver Curdt, Geschäftsführender Vorstand des Verbandes Druck und Medien NRW.
Mit Nachwuchstreffen wie Open-House-Veranstaltungen setzt Heidelberg ein deutliches Zeichen dafür, dass sich Ausbildung und Weiterqualifizierung lohnen. „Wir wollen immer wieder aufzeigen, welche Aussichten und Perspektiven die Kommunikationsbranche für junge Leute bietet“, so Harald Weimer, Leiter der Region West bei Heidelberg. Heidelberg selbst bildet an seinen Standorten in ganz Deutschland jährlich im Schnitt 700 junge Menschen in zwölf Berufen und fünf Studiengängen aus, vom Drucker über den Mediengestalter bis zum Diplom-Ingenieur Fachrichtung Produktionstechnik.
„Die Druck- und Medien-Unternehmen in Deutschland bilden eine starke Branche, die sich mehr als andere mit technologischen und marktbedingten Veränderungen auseinandersetzt“, erläutert Weimer mit Blick auf immer kürzere Produktzyklen und Innovationen, denen sich auch die Mitarbeiter anpassen und stellen müssten. Bundesweit beschäftigt die Branche rund 180.000 Mitarbeiter.
Also nochmal schnell Urlaub machen und dann gehts ab ins harte Berufsleben, denn man hat nur einmal die Chance für einen guten Einstieg.
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