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Afghanistan: EU und Deutschland haben erbaermlich versagt

Newswatcher | 18 Oktober, 2007 12:55

Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, hat scharfe Kritik an der Polizeiausbildung in Afghanistan geuebt. Er spricht deutlich von erbaermlich wenig Ausbildern, die in das Land geschickt wurden.


Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, hat der Bundesregierung und der EU vorgeworfen, in Afghanistan erbaermlich versagt zu haben. Wenn am Hindukusch ein Staat mit einer selbsttragenden Sicherheit aufgebaut werden solle, reichten 40 Polizeiausbilder aus Deutschland bei weitem nicht aus, sagte Gertz der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Das ist erbaermlich wenig im Vergleich zu der Zahl von 3500 Soldaten, die wir dort einsetzen. In allen Landesteile wuerden loyale, gut bezahlte Polizisten gebraucht. Deshalb seien 5000 Polizeiausbilder aus Europa erforderlich und nicht nur 195, die die EU jetzt zwar zugesagt habe, aber nicht zusammenbekomme.

Auch beim Aufbau der neuen afghanischen Armee habe die Voelkergemeinschaft ihre Ziele verfehlt, sagte Gertz. Bestenfalls 16.000 eigene Soldaten stuenden der Regierung von Praesident Hamid Karsai zur Verfuegung, noetig seien aber mindestens 70.000.

Der Oberst kritisierte auch die Regierungen in London und Rom. Italien habe die Verantwortung fuer den Aufbau eines funktionierenden Justizwesens in Afghanistan uebernommen. Doch geschehen sei so gut wie nichts. Wir stehen beim Justizaufbau praktisch bei null. Grossbritannien sollte den Drogenanbau zurueckdraengen. Auch das sei nicht gelungen. Jedes Jahr steigt die Rohopiumproduktion in Afghanistan auf neue Rekordzahlen.

Trotz der schlechten Bilanz setzte sich der Verbandsvorsitzende fuer eine Fortsetzung und Intensivierung der Mission ein. Von den Operationsbasen der Terroristen gehen ganz konkrete Gefahren fuer unser Land aus, deshalb muessen wir sie dort bekaempfen, wo sie entstehen. Das ist in unserem ureigensten Sicherheitsinteresse, sagte Gertz.

Kritik kommt auch von Verteidigungsminister Jung

Auch Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hatte den Umfang der europaeischen Polizeiausbildung in Afghanistan kritisiert. Die Europaeische Union hatte beschlossen, 195 Ausbilder in das Land am Hindukusch zu schicken. Bruessel wird ueberpruefen muessen, ob der beschlossene Umfang wirklich reicht, sagte Jung. Da koennen wir uns an den Amerikanern ein Beispiel nehmen. Die gehen da mit ganz anderen Dimensionen ran.

Jung nannte einen Zeitraum von weiteren fuenf Jahren als Groessenordnung fuer das Engagement in Afghanistan. Ich sage nicht, dass wir in fuenf Jahren alles geschafft haben. Aber eine Richtschnur koennte dieser Zeitraum sein, sagte der Minister gegenueber der WELT.



 
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