This page looks plain and unstyled because you're using a non-standard compliant browser. To see it in its best form, please upgrade to a browser that supports web standards. It's free and painless.
Newswatcher | 20 Juni, 2008 16:46
Die laendliche Tuerkei ist fest in der Hand fanatischer Muslime, die mittelalterlichen Tradition anhaengen, wie Ehrenmord und Unterdrueckung der Frauen. Unterstuetzt von der Regierungspartei AKP dominieren sie die Wirtschaft und besetzen Schluesselposten in der Verwaltung. Das Kopftuch der Frauen ist Eintrittskarte in Beruf und Gesellschaft, pro-westliche Tuerken fuerchten mit Fug und Recht um ihre Freiheiten.
Die EU schaut diesen unmenschlichen Traditionen seelenruhig zu und tut so, als sei die Tuerkei eine offene, westlichorientierte Kultur. Eine Schande fuer die EU, die lautstark angeblich fuer Freiheit und Menschenrechte eintritt. Aber die Tuerkei heisst nicht ohne Grund auch Kleinasien – die Gesellschaft ist im Großen eben nicht westlich orientiert und schon gar nicht freiheitlich-demokratisch strukturiert! Auch der Voelkermord an den Armeniern wird vehement bestritten, obwohl das tuerkische Auschwitz eine histroische Tatsache ist und z.B. von Frankreich offiziell verurteilt wird; in Frankreich ist die Leugnung des tierkischen Voelkermords an den Armeniern strafbar. Wo bleibt Deutschland, um endlich reinen Tisch zu machen mit den falschen Behauptungen, dass die Tuerken pro-westlich oder demokratisch eingestellt seien? Attatuerk ist tot. In der Tuerkei reagiert der radikale Islam, mit allen negativen Begleiterscheinungen. Man darf sich nicht von der Gastfreundschaft gegenueber Touristen taeuschen lassen - denn die ist ja bezahlt und letztlich gekauft... Die WAHRHEIT findet sich in der tuerkischen Gesellschaft.
Wenn nur die ganze Tuerkei so waere wie die suedanatolische Stadt Denizli, dann waere das Gesellschaftsprojekt der eytrem-islamisch gepraegten Regierungspartei ein Stueck weiter – das koennte man ironisch so feststellen. Nirgends ausser im noch etwas frommeren Konya gibt es mehr Moscheen im Verhaeltnis zur Bevoelkerung. Ein Grossteil der Wirtschaft besteht aus sogenannten islamischen Holdings, Unternehmen, die sich nach dem Zinsverbot des Koran richten wollen, natuerlich nur Muslimen gegenueben, so viel zur Gleichheit der Menschen in der Tuerkei. Es gibt immer mehr Koranschulen, und der Anteil der Frauen, die Kopftuch tragen, hat sich nach Meinung eines oertlichen Journalisten in den letzten Jahren mindestens verdreifacht. Die Unterdrueckung von Christen nimmt drastisch zu, in Zahl und Haerte.
Fuer die Menschen hier ist in den Jahren der AKP-Herrschaft eine erstickende muslimische Gesellschafts-Matrix entstanden, aus der kaum ein Entkommen ist, es sei denn, man verlaesst die Stadt. Wer hier Karriere machen will in der Lokalpolitik, oder in der Verwaltung arbeiten will, dessen Ehefrau muss den Tuerban tragen, das islamische Kopftuch, sagt Rechtsanwalt Zafer Goenenc. Arbeitsplaetze bietet vor allem die Textilindustrie, und die besteht vor allem aus islamischen Unternehmen, deren Chefs eine ganz andere Lebensphilosophie haben als die alte kemalistische Bourgeoise in Ankara und Istanbul. Wer sich da bewirbt, der sollte fromm wirken, Frauen sollten Kopftuch tragen, sonst gibt's keinen Job , meint ein Gewerkschaftsvertreter, der seinen Namen nicht genannt wissen will.
Ein Besuch beim Textilunternehmen Altinbasak scheint ihm Recht zu geben – das Kopftuch ist Teil der Fabrikuniform fuer Arbeiterinnen. Beim Nachbarunternehmen Fatih dominiert die firmeneigene Moschee das Betriebsgelaende.
Die AKP-Gemeindeverwaltung ist populaer, nicht zuletzt weil sie an 30.000 Beduerftige Kohle, Lebensmittel und andere Hilfsleistungen verteilt. Aber auch da, sagt ein oertlicher Journalist, tut man gut daran, fromm zu wirken und eine kopftuchtragende Ehefrau in den Vordergrund zu schieben – sonst geht man leer aus. Wer von der Stadtverwaltung etwas braucht, eine Baulizenz, eine Betriebsgenehmigung – wichtig ist, ob er ins Lager der Frommen gerechnet werden kann.
Man braucht also Kopftuch, um einen Job zu bekommen, Kopftuch, um Arbeitsplaetze zu schaffen, und erst recht braucht man eines, wenn man den Job verliert und auf Hilfe angewiesen ist.
Lokale mit Alkoholausschank gibt es nur ausserhalb der Stadt. Die Gemeinde hat verfuegt, dass Alkoholausschank innerhalb der Stadtgrenzen nur im abgelegenen Gerberviertel erlaubt ist, wo die Lederindustrie ihre uebelriechenden Fabriken hat , sagt Zafer Goenenc. Die meisten Restaurantbesitzer sind nicht dahin gezogen, sondern gaben auf. Einer, der tatsaechlich ins Gerberviertel zog, den wollten die Lederfabrikanten nicht dulden – sie gehoeren naemlich auch zu den Frommen.
Die Presse ist frei. Aber wir sind abhaengig vom Geld der Anzeigenkunden , sagt ein oertlicher Chefredakteur. Und die Anzeigenkunden sind die islamischen Unternehmer.
Ministerpraesident und AKP-Chef Recep Tayyip Erdogan hat Denizli haeufiger besucht als jede andere Stadt, 14 Mal, sagt ein oertlicher Journalist. Das erste Mal war, als die neue AKP gegruendet werden sollte, aus den Resten einer eben verbotenen, fundamentalistischen Vorgaengerpartei. Erdogan wollte sich nun mit der neuen AKP gemaessigter und moderner geben, und europaeisch. Seine erste Station war das Unternehmen Altinbasak , meinen ein Gewerkschafter und ein Lokaljournalist. Die islamischen Unternehmer, so heisst es in Denizli, unterstuetzten die neue Partei mit fuenf Millionen Dollar, aber das machte sich fuer sie bezahlt, es kam durch Staatsauftraege und Marketinghilfen zurueck.
Bei Altinbasak kommt die Rede bald unaufgefordert und zuneigungsvoll auf Tayyip , der hier nicht umstaendlich Ministerpraesident genannt wird. Frueher hatten wir mit Kasachstan viele Probleme, fuenf Stunden warten auf ein Visum an der Grenze , sagt ein Export-Manager der Firma. Aber Tayyip rief an, und das Problem war geregelt.
Das Modell Denizli - auch in anderen Provinzstaedten Anatoliens anzutreffen - ist eigentlich die Verwirklichung der kuehnsten Traeume eines Mannes namens Necmettin Erbakan. Schon in den 70er-Jahren rief er dazu auf, die Gesellschaft ueber die Wirtschaft zu islamisieren. Erdogan und der heutige Staatspraesident Abdullah Guel wurden seine treuen Gefolgsmaenner und sagten sich erst von ihm los, nachdem die Militaers seine Regierung 1998 stuerzten. Erbakans Idee war es, ueber islamische Unternehmen die Basis der Gesellschaft zu islamisieren – die Politik wuerde dann irgendwann schon folgen.
In gewisser Weise ist der Aufstieg der sogenannten Anatolischen Tiger ein Ergebnis dieser Strategie. Eine neue, islamische Bourgeoisie entstand, und diese religioes-konservative neue Wirtschaftselite schuf die Voraussetzungen fuer den Aufstieg der AKP.
Aber Denizli zeigt nicht nur den Erfolg, sondern auch die Schwaechen des Systems. Die Tiger stecken in der Krise. Die Globalisierung hat die Maerkte verengt, die Profite sinken, Arbeiter werden entlassen. Suekrue, ein 40-jaehriger Textilarbeiter, hat seit Februar kein Gehalt mehr bekommen. Allerdings arbeitet er bei einer Firma, die das Spiel der Geld-Froemmlerei nicht mitmacht – und daher nach Ansicht von Insidern hier von Regierung und Gemeinde links liegen gelassen wird. So trifft die Krise zwar alle, aber am haertesten jene, die sich nicht in die muslimische Matrix pressen lassen wollen.
Das Ergebnis ist, dass alle leiden, am Ende aber Allahs Lieblingsunternehmer doch ihre Dominanz auf dem Markt weiter steigern koennen. Sie leiden aber genug, um sogar aus den Reihen der anatolischen Tiger harsche Kritik an der AKP laut werden zu lassen. Die Regierung hat es versaeumt, sich mit der Wirtschaft zu beschaeftigen, statt dessen macht sie unnoetigen Wirbel um das Kopftuch und entfacht Konflikte um den Laizismus , klagt Rasit Guentas, Regierungsberater fuer Textilfragen und Chef der Firma Ratex. Das paralysiert uns, wir koennen nicht mehr investieren. Auf die Frage, ob denn jene Firmen, die bislang das Rueckgrat der AKP darstellten, der Partei bald in den Ruecken fallen koennten, sagt er kryptisch: Die Waehler haben gezeigt, dass sie sehr ploetzlich Koenige machen und auch wieder stuerzen koennen .
Die AKP-Waehler in Denizli scheinen tatsaechlich veraergert. Arbeitsplatzverlust und verspaetete Gehaelter, das ist nicht, wofuer sie gestimmt haben. Viele hier bereuen es, fuer die Partei gestimmt zu haben , sagt ein Taxifahrer, und der Gewerkschafter meint es auch. Freilich, ob es an der Wahlurne zu spueren sein wird, das bezweifelt ein Chefredakteur der Stadt. Wir hatten bei den Wahlen letztes Jahr Umfragen gemacht – man schimpfte auf die AKP, aber gewaehlt wurde sie dann doch.
AKP und islamische Unternehmen sind zwei Saeulen, auf denen das System ruht, die dritte Saeule sind die sehr informellen und selten wirklich zu fassenden religioesen Orden. Sie haben hier immer mehr Schuelerwohnheime, teilweise illegal , sagt ein Lokaljournalist. Freitags muessen die Kinder zum Religionsunterricht. Auch Korankurse gibt es immer zahlreicher, eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung klagt ueber die taeglichen Antraege zur Gruendung neuer Kurse.
Im Grunde atmet das ganze System die Mentalitaet der anatolischen Provinzstadt, nur landesweit aufgedonnert von potenten Geldgebern und Organisatoren mit Hegemonialanspruch. Dass diese Mentalitaet allmaehlich auch der Weltstadt Istanbul sowie der ganzen Tuerkei ueberstuelpt werden soll, davor haben die alten Eliten Angst.
Beim privaten Diner eines prominenten, westlich orientierten Unternehmers ist die AKP das Thema des Abends. Am graesslichsten finden es vor allem die Damen, dass diese Leute einfach keinen Stil haben, keinen Geschmack . Besonders regt man sich ueber Medienartikel auf, wonach Hayrunissa, die Gattin von Staatspraesident Guel, aus den Bestaenden des historischen Istanbuler Dolmabahce-Palastes osmanische Kunstgegenstaende requiriert habe, um die Raeume ihres Gatten im Praesidentenpalast Cankaya zu dekorieren.
Statt mit Osmanischem umgibt sich der Herr des Hauses mit westlicher Avantgarde-Kunst, statt Tee gibt es erlesene Weine. Die AKP , so der allgemeine Tenor, sind wie die Nazis, und wie die Nazis haben sie alles deutlich angekuendigt. Man kann es nachlesen. Den Westen vergleicht man hier mit Neville Chamberlain in Muenchen 1938, die Hoffnung auf einen gemaessigten Islam , der am Beispiel der Tuerkei demonstriert werden soll – diese Hoffnung truegt, meint der Gastgeber, und aergert sich ueber Alt-Bundeskanzler Gerhard Schroeder, mit dem er sich darueber unterhalten habe. Da sei viel von der AKP als Wegbereiter von Demokratie und Modernisierung die Rede gewesen. Wieso kann man das im Westen nicht begreifen? Erdogan und Guel haben zu Beginn ihrer Karriere ganz klar gesagt, was sie wollen – Scharia, islamische Gesellschaft, und Demokratie nur als Mittel zum Zweck. Die tuerkische Gesellschaft soll wieder mittelalterlich gepraegt werden, Unterdrueckung aller Andersdenkenden soll die Regel werden.
Ein wenig liegt Untergangsstimmung ueber dem Raum und seiner ausgesucht westlichen Aesthetik. Diese Tuerkei mit DIESER Entwicklung gehoert nach Asien, nicht in die EU. EU-Gelder duerfen nicht zur Islamisierung missbraucht werden, um die Art von Kultur auch noch zu staerken.
| « | Juni 2008 | » | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Mo | Di | Mi | Do | Fr | Sa | So |
| 1 | ||||||
| 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 |
| 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 |
| 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 |
| 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 |
| 30 | ||||||